Im Euro Monitor werden die 17 Länder der Eurozone bewertet und entsprechend den Ergebnissen eine Rangliste aufgestellt. Besonders im Blickpunkt der Analyse liegen die Risiken eines unausgewogenen Wachstums. Seit Jahren wird erfolglos auf die Notwendigkeit grundlegender Reformen hingewiesen, doch durch die, von der Eurokrise verursachten Verwerfungen, ist es erstmals möglich, dass diese umgesetzt werden.
Überraschend ist an diesem Bericht, dass in diesem, für den Euro so entscheidendem Jahr die Ungleichgewichte in der Eurozone leicht abgenommen haben. Dies ist erstaunlich, wenn man in den Nachrichten das Bild vermittelt bekommt, dass Deutschland und Frankreich in beinahe wöchentlichen Treffen im Alleingang entscheiden, wie es mit Europa weitergeht. Fast möchte man meinen, dass die anderen 15 Euro-Länder nichts zu entscheiden haben. Tatsächlich ist es so, dass den Schuldenländern strenge Vorgaben zum Schuldenabbau gemacht werden. Erfüllen sie diese nicht, bekommen sie keine neuen Kredite- es droht der Staatsbankrott.
Besonders angesichts der panischen Reaktionen an den Börsen, erstaunt es, wenn man hört, dass es auch einige ermunternde Entwicklungen gab. So verringerte sich zum ersten Mal seit 2007 das makroökonomische Ungleichgewicht in der Eurozone. Besonders im privaten Sektor wurden im hohen Maße Schulden getilgt. Trotz dieser Erkenntnisse, die der öffentlichen Wahrnehmung so deutlich zuwiderlaufen, sieht der Chefvolkswirt der Allianz, Heise, Europa an einem Scheideweg. Es kann immer noch geschehen, dass die Währungsunion auseinanderbricht, wenn keine Entscheidungen in Richtung einer Fiskalunion getroffen werden. Aufgabe der Staats- und Regierungschefs sei es nun, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, das die durch mangelnde Haushaltsdisziplin verursachten Gefahren, verhindert. Gleichzeitig warnt er, dass halbherzige Maßnahmen nicht ausreichen werden.
Vielleicht sollte die Krise als eine Chance für mehr Europa begriffen werden. Um zukünftig bestehen zu können, sind die einzelnen Länder der Eurozone aufeinander angewiesen. Bisher haben sie sich geweigert, aus der Währungsunion eine Fiskalunion zu machen, was sich als fataler Fehler erwies. Doch nun könnten sie durch die Schuldenkrise gezwungen sein, diesen Fehler zu beheben.